Bayern-Erpresser verurteilt - Besenstiel-Räuber muss ins Gefängnis - München - Bild.de – Strafverteidiger Dr. Adam Ahmed

Von: OLIVER GROTHMANN - München – Er wollte frech Bayern München um Millionen Erpressen – jetzt muss Harald Zirngibl (64) in den Knast! Richter Philipp Stoll schickte den so genannten „Besenstiel-Räuber“ für vier Jahre, zehn Monate ins Gefängnis. Wieder mal ...

Erpresser Harald Zirngibl forderte 3 Millionen Euro vom FC Bayern München. Jetzt muss er wieder mal ins GefängnisFoto: Peter Kneffel / dpa

Weil er ein umfassende Geständnis ablegte, ist die Strafe relativ gering – angesichts seiner hohen Vorstrafe. Die Staatsanwaltschaft forderte sogar acht Jahre! Verschärfend sei gewesen, so der Richter, dass er bei der Geldübergabe ein Teppichmesser dabei hatte.

Ein ziemlich bizarre Fall!

Diesen Brief werden eine Sekretärin von Bayern München und Jan-Christian Dreesen (51), stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei Bayern, nie mehr vergessen.

„Geld oder Verletzte … oder Tote. (…) Die Gefahr ist groß. Gefahr für Spieler oder Zuschauer. Soll ein Spieler durch eine kleine Explosion verletzt werden? Oder soll sein Auto in die Luft fliegen? Oder sollen Zuschauer auf dem Weg ins Stadion Opfer eines Anschlags, vielleicht einer (Auto-)Bombe werden??? Die Gefahr lauert immer und überall, Tag und Nacht (…). Vielleicht kreist dann mal eine Drohne über dem Parkdeck oder den Zuschauerströmen (…) Das reicht für eine Menge Sprengstoff (…).“

Auszüge aus dem Erpresserbrief an den Rekordmeister FC Bayern. Geschrieben am PC von Harald Zirngibl (64), einem vorbestraften Bankräuber, auch bekannt als „Besenstielräuber“.

Seit Anfang Dezember stand der gelernte Industriekaufmann vor Gericht. Er wurde vertreten durch Anwalt Adam Ahmed.

Justiz und Haft kennt Zirngibl. Er saß bereits von 1999 bis 2009 im Knast, kam dann auf Bewährung raus. Den Namen Besenstielräuber bekam er, weil der Gangster während seiner 16 Banküberfälle 73 Geiseln einsperrte, die Türen zum Teil mit einem Besenstiel versperrte. Dafür bekam er 13 Jahre, sechs Monate Knast.

Nach seiner Entlassung gelang es ihm nicht, so der Staatsanwalt, „in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen“. Also wurde Zirngibl erneut kriminell. Motiv: kein Geld, Angst vor Altersarmut.

Sein Opfer: Bayern München!

„Bayern ist ein bekanntes Unternehmen, hat große Umsätze, arbeitet mit viel Geld. Da lag es für mich auf der Hand, sie zu erpressen“, sagte Zirngibl vor Gericht. Sein Plan: Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge (61) und der damalige Sportvorstand Matthias Sammer (49) sollten ihm das Geld überbringen.

- Der Brief landete auf dem Tisch von Dreesen. Vor Gericht erzählt er: „Anfang Februar haben wir einen Brief bekommen. Meine Mitarbeiterin hat den Brief geöffnet. Ich habe ihn durchgelesen. Er war ungewöhnlich, er drohte uns und hatte verschiedenste Forderungen.

Bei Bayern würden täglich viele Briefe ankommen – „sogar sehr viele“. Aber: „Ich habe das sehr ernst genommen. Es war im Brief eine SIM-Karte dabei, die sollten wir nutzen. Weitere Instruktionen sollten noch kommen.“

Zirngibl forderte eine Million Euro in 500er-Scheinen, 1,1 Millionen Schweizer Franken in 1000er-Scheinen und Diamanten. Gesamtwert: zirka 3 Millionen Euro.

Am 2. Februar schrieb er den Brief am Computer, druckte ihn aus. Alles mit Handschuhen. „Ich wollte keine Spuren hinterlassen.“ In der Tegernseer Landstraße hat er das Erpresser-Schreiben dann in einen Briefkasten geworfen.

„Ich bin davon ausgegangen, dass das funktionieren könnte. Ich hatte zwischendurch meine Zweifel, dass es doch nicht funktioniert, aber da war der Brief schon im Briefkasten.“

Auch die Übergabe hatte sich der Erpresser genau überlegt. „Der Rucksack mit dem Geld sollte von einer Autobahnbrücken in der Nähe von Landshut herunter geworfen werden.“ Am Geländer wollte Zirngibl „eine rosa Plastiktüte befestigen, dort sollte der Rucksack heruntergeworfen werden“.

Er selbst hätte unten auf einer Nebenstraße gestanden und den Rucksack in Empfang genommen. Der Erpresser hatte sogar zwei Störsender dabei, damit die Polizei ihn nicht orten konnte. Doch so weit kam es nicht mehr …

Über ein Handy mit einer Nummer aus Bosnien teilte er im Februar in mehreren SMS mehrere Übergabeorte mit. Was Zirngibl nicht wusste: Am anderen Ende war längst die Polizei. Denn die Bayern übergaben den Erpresserbrief sofort den Ermittlern.

Dreesen: „Das alles veranlasste mich, die Polizei zu verständigen. Wir haben einen Mitarbeiter der Polizei als FC Bayern-Mitarbeiter ausgegeben."

Zu einer Übergabe kam es daher nie

Im Gegenteil: Nach seiner letzten Kontaktaufnahme wurde Zirngibl im Bereich Mainburg (Bayern) geschnappt.

Zirngibl gestand alles vor Gericht: „Ich weiß bis heute nicht, wie ich auf so eine dumme Idee kommen konnte, so eine Straftat zu begehen. Meine Gefängniszeit war alles andere als angenehm. Ich war eigentlich geläutert. Offensichtlich habe ich diese Zeit vollkommen verdrängt.“

Jetzt hat er genug Zeit, diese verdrängte Zeit im Knast nachzuholen. Oder auch nicht: Denn Zirngibl-Anwalt Ahmed hat Revision gegen das Urteil eingelegt.

http://www.bild.de/regional/muenchen/bayern-muenchen/besenstielraeuber-vor-gericht-urteil-49411454.bild.html

Fachanwalt für Strafrecht München, Dr. Adam Ahmed Rechtsanwalt München

Dienstag, den 20. Dezember 2016